Leben am Dreiländereck

 

 

 

 

Bundesländergrenzen als Barrieren für die nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume in Südniedersachsen.

Einerseits gibt es im föderalen Staat Bundesrepublik Deutschland intensive, die Bundesländergrenzen übergreifende Verflechtungen, so sind die Bundesländergrenzen beispielsweise für Pendlerströme oder den Erholungsverkehr de facto unsichtbar, andererseits haben die an sich durchlässigen Ländergrenzen aber auch den Effekt der Abgrenzung, etwa durch rechtliche, parteipolitische und ökonomische Unterschiede, hinzu können religiöse und kulturelle Unterschiede kommen. Aufgrund einer fehlenden funktionalen bundesländerübergreifenden Verflechtung treten in diesen Grenzregionen häufig Probleme beim ÖPNV, im Schulwesen, bei der Wirtschaftsförderung aufgrund eines möglichen Fördergefälles, in der Tourismusentwicklung aufgrund fehlender Kooperation sowie auch bei der Sicherung der Daseinsvorsorge aufgrund peripherer Lage und Strukturschwäche auf. Das Ziel des Projekts ist es, die Hypothese zu überprüfen, dass Grenzen von Bundesländern insbesondere an einem Dreiländereck im ländlichen Raum als politisch-administrative, sozio-ökonomische und mentale Barrieren wirken und somit eine nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume behindern. Weiterhin soll geprüft werden, ob eine verbesserte intraregionale Kommunikation und Kooperation Chancen bietet, negative Grenzeffekte zu überwinden.

Als Untersuchungsregion wurde Südniedersachsen (Landkreise Holzminden, Northeim, Goslar und Göttingen) mit den angrenzenden Regionen in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Sachsen-Anhalt ausgewählt. Der Raum ist überwiegend ländlich geprägt, teilweise peripher gelegen und weist gegenwärtig besonders durch den demographischen Wandel erhebliche Entwicklungshemmnisse auf. Es gibt dort eine Reihe von schrumpfenden Mittelzentren, mit Göttingen aber nur ein Oberzentrum. Eine weitere Besonderheit ist, dass Südniedersachsen an vier Nachbarbundesländer grenzt. Diese Untersuchung möchte die sich dadurch ergebenden drei Dreiländereck-Regionen an der Weser, an der Leine und im Harz in den Fokus rücken. Als Ergebnis sollen konkrete Handlungsempfehlungen für die praktische zukunftsfähige Regionalentwicklung dieser in der Forschung vernachlässigten, aber wissenschaftlich spannenden Raumkategorie formuliert werden.

Zur Überprüfung der Hypothese ist eine intensive Einbeziehung der Akteursgruppen nötig. Dazu zählen neben den Bewohnerinnen und Bewohnern, Politik und Verwaltung auf allen Ebenen, Netzwerke der Wirtschaft und der Regionalentwicklung (IHK, Handwerkskammer, LEADER-Regionalmanagement), die Kirchen, die Presse aber auch Vereine und Bürgerinitiativen. Um deren raumrelevantes Handeln und deren Meinungen zu ermitteln, setzt die Untersuchung in erster Linie auf einen bewährten sozial-empirischen Methoden-Mix aus qualitativen Interviews und quantitativen Befragungen.

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Projektlaufzeit: 01.10.2020 bis 30.09.2023

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Fördermittelgeber: Land Niedersachsen (PRO*Niedersachsen – Forschungsprojekte der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften“)

Projektleitung:
Prof. Dr. Ulrich Harteisen
Professor für Regionalmanagement und regionale Geografie
Tel.: +49 (0) 551 – 50 32 170
E-Mail: ulrich.harteisen [at] hawk.de

Projektkoordination:
Dr. Tobias Behnen
Tel.: +49 (0) 551 – 50 32 236
E-Mail: tobias.behnen [at] hawk.de