Abwasserinfrastruktur im ländlichen Raum

Dass die offensichtlich technisch ausgerichtete Frage nach der zukünftigen Ausgestaltung der Abwasserinfrastruktur einen so engen inhaltlichen Bezug zum demografischen Wandel hat, hätten viele der Gäste der öffentlichen Veranstaltung Wissen.Schafft.Dialog. des Zukunftszentrums Holzminden-Höxter (ZZHH) an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe (OWL) in Höxter nicht gedacht.

(v.l.) Prof. Dr. Klaus Maas (HS OWL), Prof. Dr. Martin Oldenburg (HS OWL), Dr.-Ing. Jutta Niederste-Hollenberg (Fraunhofer ISI), Prof. Dr. Alexandra Engel (HAWK), Dr. Agnes Kriszan (ZZHH)

Prof. Dr. Martin Oldenburg, Leiter des Fachgebietes „Biologische Abwasserreinigung und Abwasserverwertung“ an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe sowie Dr.-Ing. Jutta Niederste-Hollenberg vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe, stellten auf anschauliche Weise dar, welchen Einfluss eine schrumpfende und alternde Bevölkerung auf das Abwassersystem hat. So stellt nicht nur die Reduzierung der Abwässer infolge der abnehmenden Bevölkerung eine Herausforderung für den Betrieb der Kanalisation dar; auch die Medikamenten-Einträge nehmen signifikant zu, weil die Bevölkerung immer älter wird und mit zunehmendem Alter die Medikamentierung steigt. Besonders der Eintrag von Röntgenkontrastmitteln, wie sie in Krankenhäusern oder radiologischen Fachpraxen verwendet werden, wird überaus kritisch gesehen, weil diese nicht ökologisch abbaubar sind und über die ökologischen Auswirkungen noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse vorliegen.

Einig waren sich beide Referenten darin, dass es vor allem in ländlichen Regionen neuer Abwassermanagementkonzepte bedarf, die den sich ändernden demografischen, aber auch ökologischen und technischen Gegebenheiten Rechnung tragen und zudem Abwasser als eine Ressource sehen, die über erhebliche Recyclingpotenziale verfügt.

Die öffentliche Veranstaltungsreihe Wissen.Schafft.Dialog. des ZZHH findet einmal pro Quartal jeweils im Wechsel an den Standorten Holzminden und Höxter zu aktuellen Themen, die die Region bewegen, statt. Adressat/inn/en sind nicht nur Hochschulangehörige, sondern vor allem Vertreter/innen aus Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft.