Forschungsgruppe Engagement in ländlichen Räumen

Traditionsgemäß wird Freiwilligen nachgesagt, sich zugunsten gemeinnütziger Zielen zu engagieren und etwa zum Erhalt oder der Neuschaffung daseinsvorsorgender Infrastruktur beizutragen. Empirisch ist dies jedoch nicht ohne Weiteres unkritisch nachweisbar.

Ziel der Forschungsgruppe ist, die tatsächlichen (Konflikt-)Potenziale freiwilligen Engagements mythenfrei zu definieren und methodisch zu lösen. Die in der Forschungsgruppe entstehenden Handlungsempfehlungen und Beratungskonzepte sollen insbesondere Kommunen und Vereinen helfen, ihre Engagementförderung und –strategien zu verbessern.

In der Vergangenheit haben politisch-administrative Versuche, freiwilliges Engagement durch Freiwilligenzentren oder Ehrenamtslotsen zu bündeln und zu steuern, nicht die erhofften Erfolge erzielt. Demgegenüber haben zweckgebundene „Bürgerinitiativen“ regen Zulauf. Sie sind jedoch aus politischer und manchmal auch wirtschaftlicher Sicht häufig unerwünschte „Troubleshooter“. Insbesondere für kleine Städte und ländliche periphere Regionen fehlen bislang Konzepte, die der Eigenlogik freiwilligen Engagements in gemeinnütziger und demokratiestärkender Absicht zur Entfaltung verhelfen. Das gilt insbesondere für die Verknüpfung der Angebote der Daseinsvorsorge mit zivilgesellschaftlichem Engagement unterschiedlicher Couleur und den sich darin verbergenden Konfliktlagen, die zunehmen werden.

Insbesondere mit Blick auf die ländlichen Räume und ihre Funktionssysteme analysiert die Forschungsgruppe daher sowohl national als auch international vergleichend bislang unerforschte Motivationen, Funktionsprinzipien und (Konflikt-)Potenziale freiwilligen Engagements vor dem Hintergrund starker gesellschaftlicher Veränderungen der reflexiven Moderne. Gerade für ländlichen Räume ist perspektivisch entscheidend, ob es ihnen gelingt, gesellschaftliche Modernisierungsprozesse und zunehmende Pluralität in ihre sozialen Räume zu integrieren. Bürgerschaftliches Engagement in Wirtschaft (auch lokale Ökonomie), Bürgerschaft (plurales Engagement im Sinne einer Zivilgesellschaft) und Politik (kommunalpolitisches Engagement) ist dafür ein Motor.

Gemeinsam haben alle Studien die Perspektive Sozialer Arbeit. Angesichts ihrer Teilhabeorientierung ist sie zur Analyse der Lebenslagen in ländlichen Räumen, der Entwicklung sozialpolitischer Interventionen sowie der konzeptionellen und methodengeleiteten Ausgestaltung eines Angebotes vor Ort aus Sicht der Forschungsgruppe elementar. Der Forschungsschwerpunkt leistet dabei auch eine methodische Weiterentwicklung in der qualitativen Sozialforschung, vor allem im Bereich der qualitativen Netzwerkanalyse mit räumlichen Bezügen.

Die gegenwärtigen Studien im Forschungsschwerpunkt fokussieren

  • Marginalisierungsprozesse in Dörfern,
  • Konflikte und Solidarität Freiwilliger und
  • Krisen und Abbrüche des Engagements

in unterschiedlichen Engagementfeldern wie etwa Freiwilligen Feuerwehren, Sportvereinen oder der Flüchtlingshilfe.

Der Aufbau des Forschungsschwerpunkts wird ermöglicht durch eine Förderung des Niedersächsischen Vorab (01/2016 bis 12/2020) Im Rahmen des HAWK Projekts „Forschungsmotor der Region: technische, sozio-ökonomische und ökologische Forschung zur nachhaltigen Entwicklung“

Aktuelle Projekte der Forschungsgruppe sind:

Die Forschungsgruppe wird geleitet von Prof. Dr. Alexandra Engel.