Das stärkste Potenzial sind die Menschen vor Ort

Das Zukunftszentrum Holzminden-Höxter (ZZHH) hatte jetzt zum dritten Mal zu seiner Veranstaltungsreihe Wissen.Schafft.Dialog eingeladen und mit „Regionalimage und Kulturtourismus“ scheinbar ein Thema aufgegriffen, das nicht nur in der Region auf großes Interesse stieß. Zu den Vorträgen von Dr. Katja Drews und Jan Schametat kam sogar Publikum aus Göttingen ins Weserberglandforum der HAWK in Holzminden.

Stellten zwei aktuelle Studien zur Region vor (v.l.): Jan Schametat (Regionalreferent am Zukunftszentrum Holzminden-Höxter), Dr. Katja Drews (Kulturreferentin beim Landkreis Holzminden)

Über 60 Interessierte, die etwa zur Hälfte im Kultur- oder Tourismussektor tätig sind, kamen am frühen Abend zu der Veranstaltung und diskutierten im Anschluss an die Beiträge lebhaft mit. „Das ist die Grundidee unseres neuen Veranstaltungsformates: Mit den Menschen vor Ort unmittelbar über die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse ins Gespräch zu kommen“, so Dr. Agnes Kriszan, die beim ZZHH für die Organisation der Wissen.Schafft.Dialog -Reihe verantwortlich ist und den Abend moderierte. Da macht es aus ihrer Sicht auch nichts, wenn die angepeilte Zeit überschritten wird. Die Impulsvorträge zu zwei im vergangenen Herbst fertiggestellten Studien kamen von Dr. Katja Drews, Kulturreferentin beim Landkreis Holzminden und Jan Schametat, Regionalreferent am ZZHH.

Schametat referierte zu einer Studie, die sich mit den Images im Landkreis Holzminden beschäftigt hat. Diese kommt zu dem Schluss, dass regionale Identitäten im Landkreis sehr individuell und maßgeblich durch das (Er-)Leben des Landkreises geprägt sind. „Je stärker die persönlichen Verflechtungen, desto positiver ist auch die Wahrnehmung des Landkreises“, so Schametat. Er empfiehlt im Anschluss bei Überlegungen zur Stärkung der regionalen Identität, die Menschen vor Ort stärker einzubinden und konkrete Erfahrungs- und Erlebensräume mit den „Imageträger/inne/n“ zu gestalten.

Auch Dr. Katja Drews, die sich in ihrer Dissertation mit Kulturtourismus in ländlichen Regionen Niedersachsens beschäftigt hat, sieht ein großes Potenzial in den Menschen vor Ort. Sie hat unter anderem Besucher/innen beim Internationalen Straßentheaterfestival in Holzminden befragt und kommt zu dem Schluss, dass der mit Abstand größte Teil der Besucher/innen über die Werbung durch Freunde, Verwandte oder Bekannte auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht wurde.

Mit dem von ihr entwickelten „Residents Relationship Management-Modell“ plädiert sie dafür, die Einwohner/innen kulturtouristisch interessanter Ziele stärker in das Marketing einzubinden und gibt damit einen Gegenentwurf zu dem gängigen und stark an Marketinggesichtspunkten orientierten sogenannten „Custumer Relationship Management“, das ausschließlich die Kunden, also Touristen, adressiert.

Im Anschluss an die beiden Vorträge wurde noch etwa eine halbe Stunde mit den interessierten Zuhörer/inne/n diskutiert. Hierbei ging es auch um die Übertragbarkeit der Erkenntnisse bspw. auf den Nachbarkreis Höxter oder die Frage, wie nun an die Ergebnisse angeknüpft werden soll. Dem Team vom ZZHH war es wichtig, darauf hinzuweisen, dass das ZZHH als angewandt forschende Einrichtung unmittelbar an den Erkenntnissen der Studien anknüpfen und diese weiterentwickeln möchte. Unter anderem werden einige rote Fäden in dem Projekt „H!ER gestalten“, das sich seit Anfang Februar mit der stärkeren Beteiligung von Jugendlichen in beiden Kreisen beschäftigt, aufgenommen. Einig waren sich alle Anwesenden zum Schluss, dass viele Potenziale im ländlichen Raum und in der Region schlummern, die es noch zu heben gilt.

Die Studie „Der Region ein Gesicht geben“ können Sie hier herunterladen >>>

Die Studie von Dr. Katja Drews finden Sie hier >>>